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– von Nele

Angstthema Altersvorsorge

Werden wir sowieso alle sterben?

Ich hatte einen Vater, der in vielen Dingen extrem penibel war. Wie viele Eltern wünschte er sich, dass ich es später mal leichter haben würde als er. Geld macht unter anderem das Leben leichter und wenn man selber keins mehr verdienen kann, wäre es leichter, wenn man Rente bekommt. Und damit man eine Rente bekommt, ist es wichtig, dass der eigene Lebenslauf keine! einzige! unerklärbare! Lücke! aufweist.

Mein Vater achtete also hochnotgenau darauf, dass ich mich in der Zeit zwischen Schulabschluss und Studium der brotlosen Künste vorsorglich beim Arbeitsamt als arbeitssuchend meldete, um nur ja keinen Zeitraum offen zu lassen, in dem mein Status in Bezug auf meine Arbeitskraft gänzlich undefiniert wäre.

Ich stellte mir den Rentenvollzugsbeamten vor, dem ich in einer fernen Zukunft grauhaarig, faltig und vom langen Arbeitsleben verbraucht gegenüber sitzen und ihn bescheiden um eine paar müde Mark für meine alten Tage bitten würde. Mit messerscharfem Blick würde der schneidige Rentenvollzugsbeamte meinen auf A4 ausgedruckten Lebenslauf mustern und fragen: „Naja, aber was haben Sie denn damals in diesen zweieinhalb Monaten zwischen Schulabschluss und Studium gemacht, Frau Schacht? Waren Sie da weder in Ausbildung zur Arbeit noch auf der Suche nach Arbeit noch fest verbandelt in Lohn und Brot? Tja, dann können wir Ihnen leider keine Rente bezahlen. Ja, Sie haben richtig gehört, keine einzige müde Mark. Ich würde so gerne etwas für Sie tun, aber Lücken im Lebenslauf sind leider der Dolch im Herz jeder Rentenanwärterin.“

Daraufhin würde ich schluchzend und mich in ein kariertes Stofftaschentuch schnäuzend von dannen schlurfen und mich unter einer Brücke zum Sterben hinlegen.

So, nicht anders, stellte ich mir die Sache vor und meldete daher umgehend beim Arbeitsamt meinen Status. Danach fühlte ich mich aufgeräumt und ein bisschen, als hätte ich mein Leben im Griff.

Etwa 15 Jahre später würde ich mein Kopfkino als noch fatalistischer bezeichnen. Wenn ich an mein Rentenalter denke, dann stelle ich mir brennende Landschaften und apokalyptische Zustände vor, in denen Bargeld höchstens verbrannt wird, um sich nachts warm zu halten und man ansonsten mit Muscheln und Zigaretten Handel treibt. Der Rentenvollzugsbeamte hat den Planeten längst in Richtung Elon Musks Mars-Kolonie verlassen und kann mir jetzt erst recht nicht mehr helfen.

An den besseren Tagen ereilen mich Visionen, wie ich mit 82 Jahren und müden Augen immer noch vor meinem nun futuristischen Grafikprogramm sitze, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten und wie mich kurz vor der nächsten Mietzahlung ein gnädiger Hirnschlag niederstreckt.

Dann denke ich, zum Glück weiß ich wenigstens wie man Kartoffeln anbaut, wenn die Rente nicht mehr zum Einkaufen reicht, und lache ein kleines bisschen.

Trotz allem bin ich ja gerne gut vorbereitet und habe durchaus schon Recherchen angestellt. "Die gesetzliche Rente wird euch einmal nicht zum Leben reichen!" schallt es durch die Internetforen und Medienberichte. Im Folgenden findet ihr also eine gänzlich laienhafte und vermutlich unvollständige Auflistung meiner Möglichkeiten zur privaten Altersvorsorge als Selbstständige. (Spoiler: Bisher mache ich nichts davon.)

  • Riestern. Der Staat schenkt einem ein bisschen Geld dazu, das lohnt sich aber eventuell nur mit Kindern.
  • ETFs. Das ist ein fancy Wort für Aktien und wirklich lohnenswert wird das vor allem, wenn man in Immobilien investiert oder in Waffen oder in andere Hochrisiko-Geschichten. No risk no money!
  • Gold. Die bisherige Erfahrung der Menschheit zeigt, es verliert kaum an Wert, den Barren kann man auch als Türstopper verwenden oder im Falle der Apokalypse kleine Beträge davon abhobeln.
  • eine Immobilie kaufen. Hahahahahaha
  • Berufsunfähigkeitsversicherung. Wenn’s schon vor dem Rentenalter nicht mehr geht mit dem Arbeiten. Zahlt vielleicht aber auch nicht, wenn man noch mehrere Gliedmaßen hat.
  • und, am allerwichtigsten: DIVERSIFIZIEREN! Geld, wenn vorhanden, also niemals komplett in eine Socke unterm Kopfkissen stecken (das eh auf gar keinen Fall, denn in der Socke gibts ja keinen Inflationsausgleich), sondern auf so viele verschiedene Altersvorsorge-Möglichkeiten aufteilen, dass man mit 82 vergessen hat, wo man überall noch Geld versteckt hat und sich freut, wenn doch noch ein Riester-Konto hinterm Sofa auftaucht.

Und noch mal trotz allem bin ich auch ein Bauchgefühls-Mensch. Und mein Bauchgefühl sagt, wir wissen alle so wenig, was da noch passieren wird in der Welt - lasst uns mal zusammentun! Wir können uns gegenseitig beibringen wie man Kartoffeln anbaut, uns mit Kochen abwechseln, zusammen Pausen machen, bevor wir berufsunfähig werden und uns umeinander kümmern und resilient werden. Das ist auch eine Form der Altersvorsorge.

Und wenn ihr den Text jetzt amüsant fandet, aber auch ein bisschen kalte Füße gekriegt habt, weil - wie steht’s denn eigentlich um eure Altersvorsorge? 🧐 - dann lest mal den Artikel hier. Die Leute von Finanztip sind etwas weniger fatalistisch und besser informiert als ich.

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